herbst
27.07.2017 erstellt von: Werner Weigand


Kreiselitis - Der ADFC informiert über Kreisverkehre

In Deutschland erleben Verkehrskreisel seit einiger Zeit eine Renaissance – auch in Langen und Egelsbach sind neue Kreisel entstanden und weitere in Planung. Man könnte auch davon sprechen, dass die Kreiselitis ausgebrochen ist. Der ADFC Langen/Egelsbach hat in einer ausführlichen Pressenotiz über das Verhalten in Verkehrskreiseln informiert.


Den ADFC Langen/Egelsbach erreichen immer wieder Nachfragen, denn manch einer ist verunsichert – wie soll ich mich als Radler – wie als Autofahrer verhalten? Der Knackpunkt ist nicht die Verkehrsanlage an sich, sondern dass die Städte und Kommunen die Verkehrsführung immer wieder unterschiedlich regeln. Bezüglich der Führung der Radler gibt es sehr unterschiedlich gestaltete Kreisverkehre – so auch in Langen und Egelsbach. Z.T. gibt es sogar im gleichen Kreisel je nach Fahrrichtung unterschiedliche Situationen.
Die Einstellung der Straßenbauer zu Kreiseln hat sich mehrfach geändert. Bis in die 80er Jahre gab es viele mehrspurige Kreisel, bei denen der „sportliche“ Autofahrer über die innerste Spur bretterte, um knapp vor seiner Ausfahrt in selbige zu schießen und der vorsichtige Fahrer ängstlich auf der Außenspur schlich und Radfahrer eher vergessen waren. Kreisel wurden in den Folgejahren meist durch Kreuzungen mit Ampelanlagen ersetzt. Der Kaiserlei-Kreisel dürfte einer der letzten dieser Art sein, der jetzt zurückgebaut wird.
In den letzten Jahren entstehen wieder mehr und mehr Kreisel – jetzt aber mit nur einer Spur. In anderen Ländern sind sie schon seit Längerem viel verbreiteter – so in Frankreich, England und Spanien. In manchen Gegenden hat man das Gefühl, von Kreisel zu Kreisel zu fahren.
Experten empfehlen Kreisverkehre, man hat die Vorteile erkannt. Der Verkehr fließt gut, längere Wartezeiten an Ampeln entfallen. Wenn man sich nicht auskennt, kann man problemlos eine Extrarunde drehen. Ein Kreisverkehr ist fast immer übersichtlich und die Geschwindigkeit im Kreisverkehr ist relativ gering und dadurch für die Verkehrsteilnehmer relativ sicher. Man geht davon aus, dass Verkehrsteilnehmer im Kreisverkehr aufmerksamer unterwegs sind als an Ampelkreuzungen, bei denen sich die Aufmerksamkeit häufig nur auf die Lichtsignale beschränkt. Radfahrer profitieren von den erwähnten Vorteilen
Nicht jede „runde“ Straße ist ein Kreisel. Ein echter Kreisverkehr hat eine Mittelinsel. Hat dieser Verkehrsschilder mit den weißen Pfeilen auf blauem Grund und an den Einfahrten „Vorfahrt gewähren“ Schilder, dann hat derjenige Vorfahrt, der im Kreisverkehr fährt – und zwar Radfahrer ebenso wie Autofahrer. Einfahrende Verkehrsteilnehmer müssen warten. Fehlt das Zeichen „Vorfahrt gewähren“, handelt es sich hingegen lediglich um einen kreisförmigen Knotenpunkt. Dort gilt die Rechts-vor-links-Regelung.
Es hat sich gezeigt, dass es zu den wenigsten schweren Unfällen kommt, wenn Radler im Kreisel die Fahrbahn nutzen. Mündet in den Kreisel eine Straße mit seitlichem Radweg, Radfahrstreifen oder Schutzstreifen, sollen Radler vor dem Kreisel auf die Fahrbahn geführt werden. Sie sind gleichberechtigt mit den Autos.
Ideal funktioniert die Führung für Radler, wenn die Einfahrt so verengt ist, dass an dieser Stelle Überholungen nicht möglich sind. Gute Beispiele sind die neuen Kreisel Pittlerstraße - Ampere-Straße und Mörfelder Landstraße - Pittlerstraße sowie Robert-Bosch-Straße – Paul-Ehrlich-Straße. Ähnlich ist die Situation am Kreisel Heinrichstraße – Nördliche Ringstraße markiert, auch wenn die bauliche Gestaltung nicht ganz passt. Für Radler, deren Weg nicht Ein- bzw. Ausmündungen des Kreisels queren muss, gibt es z T eigene Radfahrspuren am eigentlichen Kreisel vorbei.
Nach gleichem System ist der Kreisel Mörfelder Landstraße – Berliner-Allee angelegt, mit dem Schönheitsfehler, dass die Führung der Radler von Westen nicht eindeutig ist – bleibt man auf dem benutzungspflichtigen Radweg, landet man auf dem Zebrastreifen.
Beispiel Lutherplatz: hier gibt es einen ehemaligen Radweg am Rande des Kreisels – noch gut erkennbar, dieser ist aber als benutzungspflichtiger Radweg aufgehoben – wäre gesetzlich auch gar nicht mehr zulässig. Radler sollen wie oben auf der – eigentlich zu breiten - Autospur fahren.
Gefährlich wird es, wenn Autofahrer im Kreisel überholen und dann bei der Ausfahrt Radler schneiden, die im Kreisel weiterfahren. Radler sollten daher zügig und so auf der Kreiselspur fahren, dass nicht überholt werden kann, Autos aber auch nicht zur Schleichfahrt gezwungen werden.
Ungünstig ist, wenn Radler ganz vorsichtig ganz rechts fahren. Gerade ältere Personen haben oft Angst, voll auf die Fahrbahn zu fahren und sie sind auch häufig sehr langsam. Z T nutzen sie den Weg über die angrenzenden Zebrastreifen. Da tritt dann die nächste Verunsicherung ein: Vorrang am Zebrastreifen haben Fußgänger, nicht aber Fahrradfahrer. Nur wenn diese absteigen und das Rad schieben gelten sie als Fußgänger. Zwar ist es nicht verboten, mit dem Rad auf dem Zebrastreifen zu fahren, im Falle eines Unfalls liegt aber die Schuld beim Radfahrer.
Bei den älteren Bauformen verlaufen gesonderte Radwege rund um den Kreisel, oft kombiniert mit danebenliegenden Zebrastreifen für Fußgänger. Was ist, wenn der Autofahrer den Kreisverkehr verlassen möchte, auf dem Radweg daneben ein Radfahrer aber weiter im Kreis fahren will? Die Regel ist einfach: Der kreuzende Radfahrer hat Vorfahrt. Aber Vorsicht: Quert der Radweg erst mehr als fünf Meter vom Kreisel entfernt die Fahrbahn oder befindet sich der Kreisel außerorts, dann gilt er nicht mehr als begleitender Radweg und auch die Beschilderung kann abweichende Regelungen gebieten.
Ein typischer Kreisel der älteren klassischen Art mit seitlichen Radwegen rundherum findet man in Egelsbach Bayerseich, Kreuzung Kurt-Schumacher-Ring – Theodor-Heuss-Straße. Hier werden die Radler aus allen Richtungen vor dem Kreisel auf seitlichen, benutzungspflichtigen Radwegen geführt und queren parallel zum Zebrastreifen, in ca. 5 m Entfernung von der Kreiselfahrbahn die einmündenden Straßen. Fahrradsymbole sind auf der Fahrbahn angebracht. Autofahrer müssen also damit rechnen, dass Radler die Fahrbahn hier queren und diese ebenso wie Fußgänger Vorrang haben.
Nicht unkompliziert ist die Situation in Langen an den Kreuzungen bzw. Einmündungen Elisabeth-Selbert-Allee – Hans-Kreilling-Allee sowie Pittlerstraße - Robert-Bosch-Straße. Je nach Richtung, aus der man radelt, befindet man sich auf benutzungspflichtigen Radwegen, die auf Querungen seitlich der Kreiselfahrbahn zielen (Entfernung hier über 5 m und damit kein Vorrang für Radler und auch keine Zebrastreifen) bzw. befindet sich auf der Fahrbahn und damit automatisch auf der Fahrbahnspur im Kreisel. Der Autofahrer muss also auch hier mit allem rechnen! Erschwerend kommt hinzu, dass bei beiden Kreiseln jeweils parallel zu einer einmündenden Straße Zweirichtungsradwege einmünden. Am Kreisel muss der Radler in der richtigen Fahrrichtung des Kreisels weiterfahren, d.h. sozusagen scharf nach rechts abbiegen und dabei den Verkehr im Kreisel und beide Richtungen der einmündenden Straße im Auge haben. Der abbiegende Autofahrer erwartet nicht unbedingt einen Radler aus dieser Richtung – beide Verkehrsteilnehmer sind zur erhöhten Aufmerksamkeit verpflichtet.
Fazit für die Verwaltung: Kreisel so gestalten bzw. ältere umgestalten, dass Radler aus allen Richtungen rechtzeitig sicher auf die Fahrbahn geführt werden. Zebrastreifen für Fußgänger sollten grundsätzlich dazugehören. Zweirichtungsradwege sollten wie Straßen senkrecht zur Kreiselfahrbahn einmünden.
Fazit für Radler: Zügig auf der Fahrbahn radeln. Wenn man von einem begleitenden Radweg auf die Straße wechselt, immer sehr genau auf die Autofahrer achten: Blickkontakt aufnehmen, sich auch per Handzeichen bemerkbar machen. Alternativ kann der unsichere Radler den Zebrastreifen nutzen, dann aber besser schieben, denn Radler haben auf Zebrastreifen keinen Vorrang.
Fazit für Autofahrer: Vor dem Kreisel auf einfädelnde Radler achten, im Kreisel nicht überholen, insbesondere auf weit rechts fahrende Radler achten. Und die Zebrastreifen ohnehin im Blick behalten.
Die vielen Regeln führen immer wieder zu Missverständnissen. Rat des ADFC: Die Beteiligten sollten im Zweifelsfall nicht auf ihr Recht pochen, sondern Rücksicht aufeinander nehmen und an diesen Stellen besonders achtsam sein.


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