Codieren-kopf
20.02.2020 erstellt von: Werner Weigand


RadSchnellVerbindung (RSV) Darmstadt - Frankfurt

Für die Rhein-Main Region befindet sich ein Radverkehrskonzept in Planung, das ein umfangreiches Netz aus Radschnellwegen vorsieht. „Testballon“ ist die Strecke von Darmstadt nach Frankfurt.


Radschnellwege oder auch Radschnellverbindungen sind Verbindungen in einer Stadt-Umland-Region, die wichtige Zielbereiche mit hohem Verkehrsaufkommen über größere Entfernungen verknüpfen und durchgängig ein sicheres und attraktives Befahren bei relativ hohen Geschwindigkeiten ermöglichen. – 20 bis 25 km/h – auch Pedelecs werden einbezogen. Dänemark und die Niederlande werden in Europa als Vorreiter betrachtet. Es geht nicht um ein paar Verbesserungen vorhandener Routen. Qualitativ hochwertige Verbindungen sollen vor allem Wohngebiete, Ausbildungs- und Arbeitsstätten, Einkaufs- und Kulturzentren sowie Knotenpunkte des öffentlichen Verkehrsmiteinander verknüpfen. Niederländische Erfahrungen zeigen, dass nach dem Bau eines Radschnellweges bis zu 15 % der bisher Autofahrenden auf Fahrräder umsteigen. Erste Radschnellwege in Deutschland gibt es im Ruhrgebiet und in Göttingen. In Hessen werden mehrere Strecken auf Eignung für Radschnellverbindungen untersucht.
Im dicht besiedelte Ballungsraum Frankfurt-Rhein/Main liegen größere Städte wie Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Mainz oder Offenbach in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander und erzeugen komplexe Pendlerströme. Wichtige Ziele wie Arbeitsplatzstandorte, Wohnquartiere und bedeutende Verkehrsknotenpunkte liegen eng beieinander und sind – entsprechende Infrastruktur vorausgesetzt – schnell und komfortabel mit dem Fahrrad zu erreichen. Aufgrund ihrer hochwertigen Wegequalität, die zügiges Radfahren erlaubt, können Radschnellwege die Fahrtzeiten um 30 bis 50 Prozent verkürzen. Das Fahrrad – auch durch die zunehmende Zahl der Pedelecs - wird damit für Entfernungen von bis zu 15 Kilometern zu einer attraktiven Option. Zusätzlich können dadurch zu Stoßzeiten volle Straßen und Bahnen entlastet werden.
Für die Rhein-Main Region befindet sich ein Radverkehrskonzept in Planung, das ein umfangreiches Netz aus Radschnellwegen vorsieht. „Testballon“ ist die Strecke von Darmstadt nach Frankfurt. Für diese wurde 2015 eine Machbarkeitsstudie erstellt. Weitere Studien werden derzeit für die Verbindungen Frankfurt – Hanau und in den Vordertaunus erarbeitet.
Zwar gibt es noch keine allgemein verbindliche Planungsrichtlinie für „Radschnellwege“, wesentliche Elemente sollen 4 m Breite, nur für Radler und großzügige Kurvenradien sein – geeignet auch für Begegnungsverkehr und Überholen. Wichtig sind außerdem Kreuzungsfreiheit bzw. Vorrang an Kreuzungen. Fußgänger und Radfahrende sollen weitgehend getrennte Wege nutzen. Da die Machbarkeitsstudie auf dieser Strecke gezeigt hat, dass an einigen Stellen in den Orten Kompromisse und Einschränkungen unvermeidlich sind, spricht man nun nicht von einem „Radschnellweg“ (RSV), sondern von der „RadSchnellVerbindung“.
Außerorts sind LED - Photovoltaik-Beleuchtungsanlagen vorgesehen, die Ihre Leuchtkraft über Bewegungsmelder deutlich verstärken, wenn Radfahrende vorbeikommen. Vier Stück dieser Lampen sind südlich von Egelsbach testweise installiert. An überdachten Servicestationen sollen die Nutzer Pausen machen und auch ihre Räder an einem Montageständer reparieren können.
Mit der Planung der RadSchnellVerbindung ist die Regionalpark RheinMain-Südwest GmbH unter Leitung des Kelsterbacher Bürgermeisters Manfred Ockel beauftragt. Die letztendliche Entscheidung, wo der Weg entlangführt, haben die Kommunen.

Die Trasse verläuft nun in Frankfurt vom Holbeinsteg über den Ziegelhüttenweg und dann durch den Stadtwald vorbei an Oberschweinstiege und Stadtwaldhaus. In Neu Isenburg führt die Verbindung über die Kurt-Schumacher-Straße. Die Ampel an der Kreuzung mit der Bahnhofsstraße wird durch einen Kreisel ersetzt.
In Dreieich ist die Trasse noch in Diskussion. Mehrere Varianten wurden 2021 vorgestellt und mit Bürgern diskutiert. Eine Entscheidung soll 2022 fallen. Parallel zur Main-Neckar-Bahn soll durch kleinere Verbesserungen vorhandener Waldwege als „Sommerroute“ Radfahrenden, die von Langen und südlich davon kommen und nach Frankfurt wollen, ermöglicht werden, Sprendlingen zu umfahren.
Zwischen Sprendlingen und Langen wird der vorhandene Weg vorbei am Modellflugplatz bis zur Unterführung unter der B 486 ausgebaut, wo die Liebigstraße erreicht wird. Diese soll mit einer Brücke parallel zur Bahn gekreuzt werden (provisorisch ggf. kurzfristig nur mit einer mittigen Querungshilfe). Auf einem neuen Zweirichtungs-Radweg auf der Westseite der Liebigstraße, parallel zur Main-Neckar-Bahn, wird kreuzungsfrei der Bahnhofsvorplatz erreicht. Auf diesem ist allerdings „Langsamfahren“ Pflicht, denn auf Busse und Fußgänger zu den Zügen muss in diesem „Shared Space“-Bereich Rücksicht genommen werden. Weiter geht es auf dem vorhandenen Weg entlang der Bahn, dann über Walter-Rietig-Straße - Im Wiesengrund. Hier folgt die nur 2 m breite Engstelle zwischen Goethestraße und Feldgemarkung auf zu verbreiterndem Weg bis auf den Leukertsweg und zur Holzbrücke weiter zum Bahnhof Egelsbach. Dieser Abschnitt soll im Laufe des Jahres 2020 gebaut werden. In Langen stockt es, da der Bauausschuss das Thema vertagt hat.
In Egelsbach sind inzwischen Radfahrstreifen im Bereich Molkeswiese - Schillerstraße angelegt worden. Die gefährliche Kreuzung mit der K 168 wurde durch einen Kreisel entschärft. Südlich sind Feldwege parallel zur Bahn nach Erzhausen und weiter nach Wixhausen bereits ausgebaut worden. Hier ist die Fahrbahn – soweit sie nur für Radler vorgesehen ist – 4 m breit, dort wo auch starker Fußgängerverkehr erwartet wird, beträgt die Breite 5,50 m. Vor Darmstadt -Wixhausen gibt es allerdings eine nur etwa 2 m breite Engstelle, da man mit einem Grundstückseigner kein Einvernehmen erzielen konnte.
In Wixhausen wird der Zugang zur S-Bahn gekreuzt und parallel zum vorhandenen Weg ein Radweg parallel zur Bahn mit Brücke über die Hindemithstraße errichtet. Auwiesenweg und vorhandene Feldwege werden ausgebaut bis zur Umgehungsstraße von Arheilgen (Langener Straße, Anschlusspunkt an Radrouten nach Darmstadt). Parallel zu dieser wird die Gräfenhäuser Straße erreicht. Die endgültige Gestaltung des letzten Abschnitts in Darmstadt bis zum Hauptbahnhof und eine Abzweigung in die Stadtmitte sind noch in Planung.
Der gesamte Weg Frankfurt-Darmstadt mit einer Länge von 30,7 Kilometern ist in 5 Bauabschnitte aufgeteilt und soll bis 2022 fertig gestellt sein. Alle 7 betroffenen Gemeinden haben im Grundsatz zugestimmt, im Detail sind aber noch viele Fragen zu klären.


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