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10.05.2014 erstellt von: Werner Weigand


Verkehrspolitik: Runder Tisch Radverkehr

Die Langener Zeitung hat am 25.10.2018 ein Interview mit dem Vorsitzenden des ADFC Langen/Egelsbach geführt. Dabei wurde auch erwähnt, dass der Runde Tisch Radverkehr schon seit 2 Jahren nicht mehr getagt hat.
In Langen konnten nicht zuletzt durch die Aktivitäten des "Runden Tisches Radverkehr" deutliche Fortschritte im Hinblick auf Radabstellanlagen, vielfältige Mängelbeseitigung und Öffnung von Einbahnstraßen erzielt werden.


Interview der Langener Zeitung mit dem Vorsitzenden des ADFC Langen/Egelsbach zu Verkehr in Langen

Dem Fahrrad soll und wird in der Mobilität der Zukunft eine immer größere Bedeutung zukommen. Langen und Egelsbach sind von der Topografie her bestens geeignet, um viele Wege mit dem Rad oder dem E-Bike zurückzulegen. Doch ist das für die Nutzer auch komfortabel? Und was muss, was kann verbessert werden? Werner Weigand, der Vorsitzende des örtlichen Ortsverbands des Allgemeinen Deutscher Fahrrad-Clubs (ADFC), stellte sich den Fragen von Redakteur Markus Schaible.

Herr Weigand, wenn Sie die Situation für Radfahrer mit Schulnoten von 1 bis 6 bewerten - wo liegt Langen, wo Egelsbach?
Langen 3,5 mit Tendenz zur Besserung, Egelsbach 3.
Wo sehen Sie die größten Probleme für Radfahrer in Langen?
Erstens: Stadtmitte, obere Bahnstraße und Lutherplatz. Radfahrende sind dort wegen zu starkem Gesamtverkehr, Parksuchverkehr, ein- und ausparkenden Autos stark verunsichert, es gibt immer wieder brenzlige Situationen.
Zweitens: Liebigstraße, Bahnquerung, Paul-Ehrlich-Straße bis Kreisel. Der Tunnel unter der Bahn ist viel zu eng, die Querung von Liebig- und Paul-Ehrlich-Straße ist gefährlich.
Drittens: Das Zustellen von Radwegen, zum Beispiel in der Bahnstraße, durch Lieferanten und Autos von Einkäufern.
Viertens: Die Schulwege sind nicht durchgehend in gleicher Qualität, zum Beispiel von Langen nach Egelsbach über Egelsbacher und Langener Straße.
Und in Egelsbach?
Erstens: „Scharfes Eck“, also die Mündung von Schulstraße, Lutherstraße, Bahnstraße und Ernst-Ludwig-Straße. Man muss dort erhebliche Umwege fahren.
Zweitens: Kurt Schumacher Ring. Der ehemalige Zwei-Richtungs-Radweg auf der Westseite ist nicht mehr als solcher ausgezeichnet, der Radstreifen auf der Ostseite endet vor der Kreuzung mit der K 168 in drei Autospuren. Und der Bereich bis zur Kreuzung mit der B 3 ist äußerst problematisch.
Wie könnte man diese Probleme lösen?
Langen Problembereich eins: Das vor vielen Jahren erarbeitete Parkkonzept müsste aktualisiert werden, es müssten ausreichend Parkplätze im unmittelbaren Umfeld geschaffen beziehungsweise zugänglich gemacht werden. Auf der oberen Bahnstraße sollte kein Parken mehr möglich, sondern viel Platz für Fußgänger und Radfahrende vorhanden sein.
Problembereich zwei: durch eine gesonderte Bahnquerung für Fußgänger und Radler, Querungshilfen – Mittelinseln – über die Paul-Ehrlich-Straße westlich der Bahn, eine Brücke über die Liebigstraße östlich der Bahn.
Problembereich drei: Endlich eine Verfolgung durch die Ordnungspolizei und gegebenenfalls bauliche Maßnahmen.
Problembereich vier: Durch eine durchgehende Trennung von Radverkehr, Autoverkehr und Fußgängerverkehr. Und die Radwege mindestens drei Meter breit.
Und in Egelsbach, Problembereich eins: den Radfahrern die Fahrt gegen die Richtung der Einbahnstraße auf einem kurzen Stück ermöglichen. Und die Markierungen verbessern.
Problembereich zwei: Da müsste man die Führung für Radfahrende im gesamten Bereich Kurt-Schumacher-Straße und K 168 verbessern.
Ist aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren genug getan worden, um die Situation für Radfahrer zu verbessern?
Es ist bis vor zwei Jahren Einiges getan worden, vor allem kleinere, aber wirksame Maßnahmen: moderne Fahrradabstellanlagen, Öffnung von Einbahnstraßen gegen die Einbahnrichtung, Markierung von Radfahrstreifen und Piktogramme auf Fahrbahnen, Absenken von Bürgersteig- beziehungsweise Radwegkanten, Befestigung von Radwegen, Mängelbeseitigung. Seit circa zwei Jahren herrscht weitgehend Stillstand, der „Runde Tisch Radverkehr“ hat nicht mehr getagt – wegen Überlastungen in der Stadtverwaltung. Bitte nicht falsch verstehen: Die Stadtverwaltung hat sehr engagierte Mitarbeiter, die sich auch für den Radverkehr engagieren! Wir warten sehnlichst auf Ausbau der Fahrradstraße in Ost-West-Richtung und die Radschnellverbindung Frankfurt – Darmstadt, die in Langen eine Nord-Süd-Verbindung ergibt.
Wie sehen Sie generell die Öffnung von Einbahnstraßen in beide Fahrtrichtung für Radfahrer? Einige Straßen, beispielsweise die Wilhelmstraße, sind durch parkende Pkw so schmal, dass ein Auto und ein Radler nicht aneinander vorbeikommen. Radler weichen dann auf den ebenfalls schmalen Gehweg aus.
Die Öffnung von Einbahnstraßen in Tempo-30-Zonen begrüßen wir sehr. Bei schwach belasteten Straßen wie der Wilhelmstraße kann ich kein echtes Problem erkennen. Es gibt immer wieder Lücken zum Beispiel an Einfahrten, wo man ausweichen kann. Und wenn mal ein Radler auf den Bürgersteig ausweicht, ist das viel unproblematischer als die Engstellen im Langener Straßennetz, an denen Autofahrer bei Gegenverkehr flott auf Gehwege ausweichen und diese kaputt fahren – ich kann Ihnen gern einige Stellen zeigen.
Erfüllen Radfahrer-Schutzstreifen wie in der Frankfurter Straße in Langen ihren Zweck? Zumal viele Autofahrer offenbar nicht wissen, wie sie sich richtig verhalten.
Schutzstreifen mache die Autofahrer darauf aufmerksam, dass sie auf Radfahrende achten müssen. Das ist ein kleiner Beitrag, um Rücksichtnahme zu fördern.
Auch in Kreisverkehren geht es oft unübersichtlich zu. Manchmal werden Radfahrer auf die Fahrbahn geleitet, manchmal wie die Fußgänger außenrum. Was sehen Sie als bessere Lösung an?
Leider gibt es je nach Baujahr der Kreisel unterschiedliche Regelungen. Aus Sicht des ADFC sollte der Radfahrende vor dem Kreisel auf die Fahrbahn gelenkt werden und zügig durch den Kreisel fahren, Autos sollten keinesfalls im Kreisel überholen. Außerdem sollte jeder Kreisel für Fußgänger Zebrastreifen haben. Ängstliche ältere Radler können dann gegebenenfalls den Zebrastreifen nutzen, müssen aber absteigen. Die Regelung am Kreisel am Ende der Kurt-Schumacher-Straße in Egelsbach ist suboptimal. Dort soll der Radfahrende parallel zu den Fußgängern – Zebrastreifen – queren. Es gilt folgende Regel: bei bis fünf Metern Abstand vom Kreisel „außenrum“ befindet sich der Radfahrende eigentlich im Kreisel mit der gleichen Vorrangregel wie für die Autos, die durch den Kreisel fahren – ist es weiter, müssten Vorfahrtzeichen maßgebend sein. Ich habe nachgemessen: Es sind dort gerade circa fünf Meter – Autofahrer und Radfahrer sind verunsichert, zumal da auch noch der Zebrastreifen ist.
Werden Radfahrer als Verkehrsteilnehmer ausreichend respektiert?
Nicht immer – siehe das Thema Bahnstraße.
Was können Radler denn selbst verbessern, um das Miteinander zu verbessern?
Verkehrsregeln beachten, nicht als „Kampfradler“ auftreten, Rücksicht auf Fußgänger nehmen.
Wenn Sie zehn Jahre weiter schauen, wo wünschen Sie sich das Fahrrad als Verkehrsmittel in Langen und Egelsbach dann?
Dann wünschen wir uns Langen – und natürlich auch Egelsbach – als echte Velocity, mit sicheren Routen durch die Kommunen. Der ADFC hat der Stadt Anfang des Jahres dazu ein umfangreiches „Radverkehrskonzept 2.0“ mit Zeithorizont 2025 übergeben. Ich hoffe, es gibt dann zusätzlich zur Radschnellverbindung nach Frankfurt und Darmstadt auch solche Verbindungen zum Flughafen, nach Dreieichenhain, Götzenhain und Offenthal sowie nach Mörfelden. Der Modal-Split des Radverkehrs kann auf 25 Prozent steigen, heute sind es etwa zehn Prozent. Elektromobilität auf dem Rad auch im Alltagsverkehr und damit eine bessere Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen in bis zu 15 Kilometern Entfernung sollte selbstverständlich sein. Und am Bahnhof gibt es dann hoffentlich ein Fahrradparkhaus für Pendler.
Zum Schluss möchte ich dazu aufrufen, schon heute noch öfter die Ziele in Langen und Egelsbach mit dem Rad anzusteuern. Es passt von den Entfernungen, es gibt – mit Ausnahme des Steinbergs – kaum Steigungen und weite Teile beider Orte sind Tempo-30-Zonen. Man sieht an der zunehmenden Nutzung der Fahrradabstellanlagen am Bahnhof, den weiterführenden Schulen und in der Stadtmitte, dass das Fahrrad als städtisches Verkehrsmittel immer mehr Akzeptanz findet.



Historie Runder Tisch Radverkehr:

Im April 2012 gab es ein Treffen des ADFC Langen/Egelsbach mit dem damaligen Leiter des Planungsamtes der Stadt Langen, Herrn Braun sowie Vertreterinnen des Planungsamtes und des Umweltreferates zur Festlegung von Eckpunkten bei der Zusammenarbeit zwischen Stadt und ADFC. Im August und September tagte dann zum ersten Mal der "Runde Tisch". Teilnehmer waren seitens der Stadt Vertreter des Fachdienstes Bauwesen, Stadt- und Umweltplanung und der Straßenverkehrsbehörde Langen, hinzu kamen Vertreter der Polizeistation Langen und der Jugendverkehrsschule Offenbach. Seitens des ADFC nahmen drei Mitglieder des Vorstandes teil.

Es wurde vereinbart, regelmäßig alle Maßnahmen zu besprechen, die das Radfahren in Langen betreffen. Als Orientierung dient das Radverkehrskonzept, das auf eine Initiative der Agenda 21 zurückgeht, vor einigen Jahren von einem Ingenieurbüro im Auftrag der Stadt aufgestellt wurde und an dem auch der ADFC mitgewirkt hatte.

Erstes sichtbares Ergebnis war die Öffnung einer Reihe von Einbahnstraßen zum Radeln in beide Richtungen im Stadtzentrum. Die Maßnahme wurde noch in 2012 umgesetzt. Besonders herauszuheben ist die Öffnung der August-Bebel-Straße in der Richtung vom alten Rathaus zum Lutherplatz, ein langer Wunsch vieler ADFC-Mitglieder.
Trotz knapper Kassen stehen einige Mittel zur Verfügung und die Stadt erwartet auch Zuschüsse. Ideen waren, zunächst an Verknüpfungspunkten mit dem ÖPNV (z.B. S-Bahn-Station Flugsicherung und Haltestellen der Regionalbusse) und im Bereich der Bahnstraße,von Einkaufsmöglichkeiten und Kinos die Abstellmöglichkeiten zu verbessern. Statt "Felgenkillern" wurden moderne, vom ADFC empfohlene Abstellanlagen montiert.

Der "Runde Tisch" bietet auch die Chance, Mängel für den Radverkehr in der Stadt anzusprechen. Die Stadt hat Bereitschaft signalisiert, kleinere Mängel kurzfristig abzustellen.

Seit Mitte 2016 hat der Runde Tisch Radverkehr nicht mehr getagt. Die Stadt will ein neues Konzept erstellen, hat aber wegen anderer Schwerpunkte b.a.w. keine Ressourcen. Seitens des ADFC besteht die Forderung, einen nebenamtlichen Radverkehrsbeauftragten zu installieren, der ähnlich wie in Dreieich bei allen Planungen die Interessen des Radverkehrs einbringt.


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