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14.11.2018 erstellt von: Werner Weigand


Interview mit Langener Zeitung zur lokalen Verkehrspolitik

Die Langener Zeitung interviewte den Vorsitzenden des ADFC Langen/ Egelsbach zum Radfahren in den beiden Gemeinden. Anlass war, dass diese Gemeinden beim Fahrrad-Klima-Test des ADFC nur im Mittelfeld liegen.


Wenn Sie die Situation für Radfahrer mit Schulnoten von 1 bis 6 bewerten - wo liegt Langen, wo Egelsbach?

Langen 3,5 mit Tendenz zur Besserung, Egelsbach 3


Wo sehen Sie die größten Probleme für Radfahrer in Langen?

1. Stadtmitte, obere Bahnstraße-Lutherplatz. Radfahrende sind wegen zu starkem Gesamtverkehr und Parksuchverkehr / einparkende- und ausparkende Autos stark verunsichert, immer wieder brenzlige Situationen.
2. Liebigstraße – Bahnquerung – Paul-Ehrlich-Straße bis Kreisel. Tunnel unter Bahn viel zu eng, Querung von Liebigstraße und Paul-Ehrlich-Straße gefährlich.
3. Zustellen von Radwegen z.B. in der Bahnstraße durch Lieferanten und Autos von Einkäufern.
4. Schulwege nicht durchgehend in gleicher Qualität, z.B. von Langen nach Egelsbach über Egelsbacher Straße – Langener Straße

Und in Egelsbach?

1. „Scharfes Eck“, Mündung von Schulstraße, Lutherstraße, Bahnstraße und Ernst-Ludwigstraße. Man muss hier erhebliche Umwege fahren.
2. Kurt Schumacher Ring: Ehem. 2-Richtungsradweg auf Westseite ist nicht mehr als solcher ausgezeichnet, Radstreifen auf Ostseite endet vor Kreuzung mit K168 in 3 Autospuren. Bereich bis Kreuzung mit B 3 äußerst problematisch.

Wie könnte man diese Probleme lösen?

- Langen 1: Das vor vielen Jahren erarbeitete Parkkonzept aktualisieren, ausreichend Parkplätze im unmittelbaren Umfeld schaffen bzw. zugänglich machen, auf oberer Bahnstraße kein Parken, sondern viel Platz für Fußgänger und Radfahrende
- Langen 2: Gesonderte Bahnquerung für Fußgänger und RadlerInnen. Querungshilfen über Paul-Ehrlich-Straße (Mittelinseln) westlich der Bahn, Brücke über Liebigstraße östlich der Bahn.
- Langen 3: Endlich Verfolgung durch Ordnungspolizei, ggf. bauliche Maßnahmen.
- Langen 4: Durchgehend Trennung von Radverkehr, Autoverkehr und Fußgängerverkehr, Radweg mindestens 3 m breit.
- Egelsbach 1: Zulassung Fahrt gegen die Richtung der Einbahnstraße auf kurzem Stück, Markierungen.
- Egelsbach 2: Führung für Radfahrende im gesamten Bereich Kurt -Schumacher-Straße – K 168 verbessern

Ist aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren genug getan worden, um die Situation für Radfahrer zu verbessern?

Es ist bis vor 2 Jahren Einiges getan worden, vor allem kleinere, aber wirksame Maßnahmen (moderne Fahrradabstellanlagen, Öffnung Einbahnstraßen gegen die Einbahnrichtung, Markierung von Radfahrstreifen und Piktogramme auf Fahrbahnen, Absenken von Bürgersteig- bzw. Radwegkanten, Befestigung von Radwegen, Mängelbeseitigung). Seit ca. 2 Jahren weitgehend Stillstand, der „Runde Tisch Radverkehr“ hat nicht mehr getagt – wegen Überlastungen in der Stadtverwaltung. Bitte nicht falsch verstehen: Die Stadtverwaltung hat sehr engagierte MitarbeiterInnen, die sich auch für den Radverkehr engagieren! Wir warten sehnlichst auf Ausbau der Fahrradstraße in Ost – West – Richtung und die Radschnellverbindung Frankfurt – Darmstadt, die in Langen eine Nord-Süd Verbindung ergibt.

Wie sehen Sie die Öffnung von Einbahnstraßen in beide Fahrtrichtung für Radfahrer? Einige Straßen, beispielsweise die Wilhelmstraße, sind durch parkende Pkw so schmal, dass ein Auto und ein Radler nicht aneinander vorbeikommen. Radler weichen dann auf den ebenfalls schmalen Gehweg aus.

Die Öffnung von Einbahnstraßen in Tempo-30-Zonen begrüßen wir sehr. Bei schwach belasteten Straßen wie der Wilhelmsstraße kann ich kein echtes Problem erkennen. Es gibt immer wieder Lücken z.B. an Einfahrten, wo man ausweichen kann. Und wenn mal ein Radler auf den Bürgersteig ausweicht, ist das viel unproblematischer als die Engstellen im Langener Straßennetz, an denen Autofahrer bei Gegenverkehr flott auf Gehwege ausweichen und diese kaputtfahren – ich kann Ihnen gern einige Stellen zeigen.

Erfüllen Radfahrer-Schutzstreifen wie in der Frankfurter Straße in Langen ihren Zweck? Zumal viele Autofahrer offenbar nicht wissen, wie sie sich richtig verhalten.

Schutzstreifen mache die Autofahrer darauf aufmerksam, dass sie auf Radfahrende achten müssen. Kleiner Beitrag, um Rücksichtnahme zu fördern.

Auch in Kreisverkehren geht es oft unübersichtlich zu. Manchmal werden Radfahrer auf die Fahrbahn geleitet, manchmal wie die Fußgänger außenrum. Was sehen Sie als bessere Lösung an?

Leider gibt es je nach Baujahr der Kreisel unterschiedliche Regelungen. Aus Sicht des ADFC sollte der Radfahrende vor dem Kreisel auf die Fahrbahn gelenkt werden und zügig durch den Kreisel fahren, Autos sollten keinesfalls im Kreisel überholen. Außerdem sollte jeder Kreisel für Fußgänger Zebrastreifen haben. Ängstliche ältere Radler können ggf. den Zebrastreifen nutzen, müssen aber absteigen. Die Regelung am Kreisel am Ende der Kurt-Schumacher-Straße in Egelsbach ist suboptimal. Hier soll der Radfahrende parallel zu den Fußgängern (Zebrastreifen) queren. Es gilt folgende Regel: bei bis 5 m Abstand vom Kreisel „außenrum“ befindet sich der Radfahrende eigentlich im Kreisel mit der gleichen Vorrangregel wie für die Autos, die durch den Kreisel fahren – ist es weiter, müssten Vorfahrtzeichen maßgebend sein. Ich habe nachgemessen: Es sind hier gerade ca. 5 m – Autofahrer und Radfahrer sind verunsichert, zumal da auch noch der Zebrastreifen ist.

Werden Radfahrer als Verkehrsteilnehmer ausreichend respektiert?

Nicht immer, siehe oben Bahnstraße.

Was können Radler denn selbst verbessern, um das Miteinander zu verbessern?

Verkehrsregeln beachten, nicht als „Kampfradler“ auftreten, Rücksicht auf Fußgänger nehmen.

Wenn Sie zehn Jahre weiter schauen, wo wünschen Sie sich das Fahrrad als Verkehrsmittel in Langen und Egelsbach dann?

Dann wünschen wir uns Langen als echte Velocity – natürlich auch Egelsbach. Sichere Routen durch die Stadt sind ausgebaut (Der ADFC hat der Stadt Anfang des Jahres ein umfangreiches „Radverkehrskonzept 2.0“ mit Zeithorizont 2025 übergeben). Es gibt zusätzlich zur Radschnellverbindung nach Frankfurt und Darmstadt auch solche Verbindungen zum Flughafen, nach Dreieichenhain, Götzenhain und Offenthal und nach Mörfelden. Der Modal-Split des Radverkehrs kann auf 25 % steigen (heute ca. 10 %). Elektromobilität auf dem Rad auch im Alltagsverkehr und damit bessere Erreichbarkeit von Arbeitsplätzen in bis zu 15 km Entfernung ist selbstverständlich. Am Bahnhof gibt es ein Fahrradparkhaus für Pendler.


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