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26.06.2020 erstellt von: Werner Weigand


Diskussion um Engstelle des Radschnellwegs im Bereich Goethestraße

In der Langener Zeitung vom 20.06. wurde über die Planungen des "Radschnellwegs" Frankfurt-Darmstadt an der Engstelle in Langen Goethestraße - im Wiesengrund berichtet. Der ADFC verweist auf weitere Engstellen, die leider mit vertretbarem Aufwand nicht zu beseitigen sind und dringt auf raschen Weiterbau.


Am "Radschnellweg" (RSW) Frankfurt-Darmstadt wird seit Mitte des letzten Jahrzehnts geplant. Zunächst stellte man sich vor, dass er wie eine Autobahn völlig kreuzungsfrei und immer mindestens 4 m breit (wo auch von Fußgängern benutzt 6 m breit) und immer mit Vorfahrt von Frankfurt City bis Darmstadt City verläuft. Die Konkretisierung der Planung hat dann gezeigt, dass - soll der RSW in vernünftiger Zeit und mit vertretbaren Kosten realisiert werden - an einigen Stellen Abstriche von den Idealvorstellungen gemacht werden müssen. Seitdem heißt es offiziell nicht mehr "Radschnellweg", sondern "Raddirektverbindung".

Dies kann man auch beim fertig gestellten Abschnitt zwischen Egelsbach und Darmstadt-Wixhausen beobachten:

- In Egelsbach muss man die Vorfahrt des Autoverkehrs beim Einfädeln in den stark befahrenen Kreisel der K 168 beachten.

- Am Bahnübergang Erzhausen hat der querende Verkehr Vorfahrt. Da steht man im Berufsverkehr öfter ziemlich lang, wenn die Schranke gerade aufgegangen ist.

- Vor Darmstadt-Wixhausen ist ein Abschnitt nur etwas über 2 m breit und nicht sehr übersichtlich, da man mit einem Grundstücksbesitzer kein Einvernehmen erzielt hat.

- Der Abschnitt am Wixhäuser Bahnhof ist noch nicht gebaut, aber es ist auf Grund der örtlichen Zwangspunkte unvermeidlich, dass der Zugang zum Bahnsteig über den RSW geht und dieser von vielen Reisenden gequert wird.

D.h. auf ca. 4 1/2 km kommen leider 4 Stellen, an denen Radfahrende besonders aufpassen, langsamer fahren oder sogar warten müssen. Auch muss man auf Spaziergänger mit und ohne Hund achten, die nicht immer nur am Rand laufen. Man kann es aber auch positiv formulieren: Es sind schon mal über 4 km realisiert, auf denen es einen himmelweiten Unterschied zum früheren Zustand gibt und riesig Spass macht, zügig zu fahren - man schaue sich nur an, wie gut dieses Teilstück schon genutzt wird.

In Langen gibt es zwei Problemstellen: Bahnhofsvorplatz und der Durchgang von der Goethestraße zur Feldgemarkung. Bei Letzterer hat die Stadt gleich mehrfach geschlafen. Beide Häuser rechts und links der Engstelle haben den Besitzer gewechselt. Die Stadt hätte ihr Vorkaufsrecht nutzen und einige Quadratmeter aufkaufen müssen (Dieser Durchgang war auch schon ohne RSW zu eng). Nun ist er mit genau 2 m Breite auch noch enger als versprochen (wo sind eigentlich die weiteren 50 cm geblieben?). Es bleibt nur noch Inkaufnahme, dass an dieser Stelle vorsichtig gefahren werden muss - unterstützt durch entsprechende bauliche Gestaltung und Markierungen. Immerhin kommen 2 Radfahrende oder Radfahrer und Fußgänger aneinander vorbei.

Zur ganzen Geschichte gehört auch, dass hier nicht die Wunschlösung des ADFC realisiert wird. Der Vertreter des ADFC hatte vor Jahren in den Vorbesprechungen zur Trassenplanung eine andere Lösung favorisiert: Nutzung des (abgesperrten) Weges in Verlängerung der Walter-Rietig-Straße nach Süden entlang der Bahn, am Ende der Bebauung Querung des Naturschutzgebietes auf ca. 110 m und dann über eine landwirtschaftlich genutzte Fläche zum Leukertsweg. Diese Lösung wurde mit der Begründung Naturschutz sofort abgewimmelt. Dafür geht man nun 130 m durchs Landschaftsschutzgebiet. Inzwischen sind bald 5 Jahre vergangen in denen man eine verträgliche Lösung mit dem Naturschutz und bezüglich der Ackerfläche hätte finden können. Dabei ist Umstieg vom Auto aufs Rad Klimaschutz - und damit Naturschutz - pur. Nebenbemerkung: Für die Verknüpfung der Klimakiller Flugzeug-Auto mit einem neuen Autobahnanschluss für das Terminal 3 holzt man ein großes Stück Wald ab - das setzt man durch - da steckt mehr Lobby dahinter. Bei der Lösung entlang der Bahn hätte man den RSW direkt an der Lärmschutzwand parallel zur Walter-Rietig-Straße - aber unabhängig vom Autoverkehr - nach Norden führen können und eine von der Gemarkungsgrenze bis zur unteren Bahnstraße durchgehende Super-Radler-Trasse erreicht.

Ist es eine Episode? In Deutschland gibt es keine Planung ohne Bürgerinitiative. Nun also in Langen eine Unterschriftenaktion von über 100 (?) Anwohnern (wieviele Grundstücke und Parkplätze gibt es eigentlich in der Gegend?), weil man "beim Ausparken acht geben muss".

Doch nun geht es nicht um Trassenvarianten, sondern darum, die vereinbarte (zweitbeste) Lösung endlich schnell zu realisieren. Nun müssen der Bauausschuss und das Stadtparlament ihre Zustimmung geben. Erst mal hat man das Thema wegen der Diskussion der Problempunkte Bahnhofsvorplatz und Engstelle Goethestraße vertagt - die Zeit läuft und nichts passiert. Hoffentlich kommen die Gremien trotz der Bedenkenträger bald zur Entscheidung - auf die lange Bank schieben ist da beliebt. Leider ist in Langen bezüglich Radverkehr seit längerem Stillstand. Während andere Gemeinden Zug für Zug an Lösungen für besseren und sicheren Radverkehr arbeiten, liegt die dringend benötigte Fahrradstraße in Ost-West Richtung auf Eis und der Zustand der Bahnstraße bleibt beklagenswert - von weiteren Maßnahmen ganz abgesehen. Üppige Fördermittel bei Bund und Land - demnächst wahrscheinlich auch Konjunkturprogramme - können von Langen nicht genutzt werden, da politischer Wille, Ideen, Engagement und Planungen fehlen.

Der ADFC hofft auf baldige positive Nachricht: Zügiges Radeln auf Raddirektverbindung durch Langen realisiert - auf 4,3 km nur 2 Stellen, an denen langsam gefahren werden muss.


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