Ausbau Radschnellweg auf Teilabschnitten, Weiterbau verzögert sich

Der Abschnitt des Radschnellwegs (Radschnellverbindung Frankfurt - Darmstadt) zwischen Egelsbach und Langen wurde am 30.10.2021 eröffnet. Nunmehr wird als nächstes Teilstück der Bereich am Bahnhof in Darmstadt-Wixhausen realisiert Damit rückt Darmstadt näher an Langen und Egelsbach heran.

Radschnellweg2
Radschnellweg2

Der Ausbau zwischen Langen und Egelsbach wurde 2021 realisiert und mit einem Fest "Radschnellweglive" eröffnet. Nach langen und wiederholten Diskussionen und Ortsbesichtigungen wurde im Gemeindeparlament beschlossen, den Abschnitt von der Gemarkungsgrenze Egelsbach bis zum Abzweig Walter-Rietigstraße- Weg an der Bahn (Richtung Bahnhof) auszubauen. Den nur 2 m breiten Engpass des Durchgangs im Bereich Goethestraße - Im Wiesengrund nimmt man in Kauf, da muss ein kurzes Stück langsam gefahren werden. Als "Entlastungstrasse" westlich der Bahn soll dafür der Weg entlang der Bahn vom Loh bis zum Wernerplatz radelgerecht ausgebaut werden, so dass Langen von Süden her insgesamt optimal erschlossen wird.

Der Abschnitt in Egelsbach ist nun vollständig fertiggestellt und wird sehr gern genutzt.
Noch nicht gesichert ist der Weiterbau nach Norden. In Langen gibt es Diskussionen über die Situation am Bahnhofsvorplatz. Fertiggestellt ist die Führung parallel zur Liebigstraße zwischen Bahn und Straße. Auch eine Brücke über die Liebigstraße parallel zur Bahn unter der B486 gehört weiterhin zum Konzept. Nun wartet man, wo Dreieich sich anschließen will.

Stockungen beim weiteren Ausbau von Radschnellwegen

Führende Politiker in Hessen werden nicht müde, Fahrradschnellwege als wichtige Bausteine der Mobilität der Zukunft zu preisen. „Sie sind zentrale Elemente eines Netzes, das den Umstieg auf das Fahrrad im Alltag erleichtert“, erklärte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). „Damit sind sie ein Beitrag zum Schutz des Klimas.“ Viele Politiker auf kommunaler Ebene äußern sich ähnlich. Doch allen Dringlichkeitsbekundungen zum Trotz ist der Ausbau des Radschnellwege-Netzes in Südhessen bisher kaum sichtbar vorangekommen.

An mehreren Stellen bleibt die Umsetzung von Schnellwegprojekten hinter den Zeitplänen zurück.

Etwa beim Aushängeschild im hessischen Zweiradnetz, dem Radschnellweg Darmstadt-Frankfurt, seit 2014 in der Planung, seit 2018 im Bau. „Das schaffen wir nicht“, antwortet Manfred Ockel unumwunden auf die Frage, ob die für 2022 angekündigte Eröffnung der kompletten Verbindung zu halten ist. „Wir brauchen ein Jahr länger" sagte er 2021. Im Sommer oder Herbst 2023 werde die 35 Kilometer lange Strecke fertig sein. Doch auch dieser Termin wird kaum zu halten sein.

Ockel, im Hauptberuf Bürgermeister von Kelsterbach, ist zugleich Geschäftsführer der für dieses Projekt federführenden Gesellschaft Regionalpark Rhein Main Südwest. „Wir sind mitten in der Planung“, sagt er. Die Prozesse dauerten jedoch länger als erwartet, unter anderem wegen der erwünschten Bürgerbeteiligung. Zudem ließen Förderbescheide auf sich warten, und Firmen könnten Fristen nicht einhalten.

Und Darmstadt? In Darmstadt Wixhausen wird der Radweg entlang der Bahnlinie bis zum Auwiesenweg verlängert. Südlich des Bahnhofs soll für die Radler eine vier Meter breite Stahlkonstruktion über den Straßentrog gelegt werden. Zudem gibt es kleinere Umbauten am Bahnhof Wixhausen.
Weiterhin soll der Radschnellweg bis zu einem Übergabepunkt zwischen Wixhausen und Arheilgen im Jahe 2022 verlängert werden - es ist die Brücke der B3 über die Bahnstrecke. Dort übernimmt die Stadt die Weiterführung Richtung Süden.

Die B-3-Brücke ist nicht dauerhaft Endstation des Schnellwegs. Unter mehreren Varianten wird eine Direktverbindung quer durch die City bevorzugt. Geld für die weitere Detailplanungen der Innenstadtroute steht im Haushalt bereit. Bis Radfahrer schnell von Wixhausen. bis Eberstadt fahren können, wird aber noch einige Zeit vergehen.

Das Darmstädter Echo berichtet über den ersten Spatenstich in Wixhausen:

DE vom Montag, 11.07.2022

DARMSTADT. Die Bagger sind bereits angerollt und verrichten ihre Arbeit. Einige Bauarbeiter in Warnwesten schippen Sand, messen Abstände aus und koordinieren die Arbeitsteilung. Seit dem 13. Juni bauen sie in Wixhausen an der Verlängerung des Radschnellwegs. Der erste Spatenstich, den die Planer, Geldgeber und Verantwortlichen des Projekts am Montagvormittag für den Abschnitt vom Wixhäuser Bahnhof bis zum Friedhof setzten, war somit in diesem Fall nur symbolischer Natur. Dieses Symbol aber sollte Aufbruchstimmung vermitteln. Tenor der Anwesenden, die sich auf dem Radweg eingefunden haben: Ein wichtiges Teilstück hin zur Schnellverbindung von Darmstadt nach Frankfurt ist geschafft.

Die Zielsetzung ist dabei ehrgeizig. Bis Oktober 2022 soll laut Ministerialdirigent Gerhard Rühmkorf aus dem Bundesverkehrsministerium die 520 Meter lange Strecke fertiggestellt sein. Bislang mussten sich Fußgänger und Radfahrer einen ungefähr 1,50 Meter breiten Weg teilen, was immer wieder zu Konflikten führte. Der Streckenausbau sieht eine neue vier Meter breite Fahrradtrasse parallel zur Bahn vor. Der vorhandene Weg soll zum reinen Fußweg werden.

Neue Brücke über die Hindemithstraße

Eine besondere Herausforderung ist dabei die Überführung über die Hindemithstraße. Dort soll eine gesonderte Radbrücke errichtet werden, die im Zuge des Ausbaus auf die bereits vorhandenen Stützwände an der Hindemithstraße aufgelegt wird. Die Gesamtkosten belaufen sich laut Gerhard Rühmkorf auf etwa zwei Millionen Euro. 1,3 Millionen Euro steuert der Bund bei.

Auch der Darmstädter Mobilitätsdezernent Michael Kolmer (Grüne) zeigte sich zufrieden über den gelungenen Baustart im nördlichsten, Darmstädter Ortsteil. Besonders freue ihn, wie viele Radfahrer an diesem Vormittag bereits durch die anwesende Menschentraube durchführen. „Dies ist eine der wenigen Situationen, in denen man gerne im Weg steht. Es zeigt, dass die Strecke sowohl von Pendlern als auch Hobbyfahrern angenommen wird“, schmunzelte Kolmer.

Trotz der Freude über den neuen Abschnitt. der das erste nur auf Darmstädter Gemarkung befindliche Teilstück ist, richtete Kolmer aber auch schon den Blick in die Zukunft. Und kündigte an. dass die schwierigsten Abschnitte hin zu einem durchgängigen Radschnellweg von Darmstadt nach Frankfurt noch vor den Planern liegen. Denn bisher sind erst sechs der 35 geplanten Kilometer Radschnellweg gebaut. Nun kommen weitere 500 Meter dazu.

Je urbaner die Umgebung, desto herausfordernder sei die Planung, so Kolmer. Für das Teilstück durch die Darmstädter Innenstadt sei beispielsweise noch viel Detailarbeit zu leisten. „Wir haben aktuell zwei Varianten auf dem Tisch, die wir nach der Sommerpause weiter besprechen wollen. Besonderer Fokus liegt dabei auf der Neckarstraße und dem Bereich um den Hauptbahnhof.“

Auch Jens Deutschendorf (Grüne), Staatssekretär im hessischen Verkehrsministerium, betonte. dass jedem neuen Meter Radweg ein großer Kampf vorausgeht. „Ein solches Projekt trifft immer wieder auf große Widerstände. Es müssen Interessensausgleiche gefunden, Naturschutzgebiete beachtet und Grundstücke gekauft werden." Doch besonders wegen der steigenden Anzahl an E-Bike-Nutzern seien lange durchgängige Fahrradwege wichtiger denn je, damit diese für eine breite Masse attraktiv werden.

Trotz der schwierigen Planung gebe es in Hessen beim Radwegausbau eine nie da gewesene Dynamik, sagt Deutschendorf. In den Köpfen der Menschen finde ein Umdenken statt. Auch bisher radfremde Gruppen setzen sich immer öfter auf den Sattel. „Die Radinfrastruktur muss so gut sein, dass diejenigen, die sich aktuell im Radfahren probieren, dauerhaft auf das Zweirad umsteigen. Nur so können wir unsere Klimaziele erreichen.“

Als Letzter trat dann Jürgen Follmann. Professor für Bau- und Umweltingenieurwesen an der Hochschule Darmstadt ans Rednerpult. Er warnte eindringlich davor, den Diskussionen, die der Schnellradweg besonders in der Innenstadt hervorrufen wird. durch Ausweichouten über das Land aus dem Weg zu gehen. „Die Politik muss den Mut haben. Fahrradautobahnen in die Stadt zu verlegen. Wir sehen es an Beispielen aus den Niederlanden, dass nur so eine breite Masse langfristig das Angebot annehmen wird."


KOMMENTAR Niklas Almrodt (DE) zum Ausbau des Radschnellwegs 11.07.2022

Babyschritt - Die Planung in Darmstadt wird herausfordernd

Wer sich in Wixhausen für einige Minuten an den Radschnellweg stellt und die Radfahrer beobachtet, schaut in zufriedene Gesichter. Verständlich, denn die flache, breite Straße lädt buchstäblich zum in die Pedale treten ein. Somit ist es ein positives Signal, dass schon Ende des Jahres ein weiterer Abschnitt des Schnellwegs fertig sein soll. Gleichwohl ist der Ausbau in Wixhausen nur ein Babyschritt. Denn von den 35 geplanten Kilometern sind erst sechs fertiggestellt. Die schwierigsten Kilometer in den größeren Städten liegen noch vor den Planern. Die Diskussionen in Dreieich um den Verlauf und die Beschaffenheit des Radwegs dürften nur ein Vorgeschmack sein. Besonders den Autofahrern wird es nicht gefallen, falls für den Radschnellweg eine Spur auf einer Hauptverkehrsachse weichen müsste. Die Fronten zwischen motorisiertem und pedalgetriebenem Verkehr sind oftmals verhärtet. Die Diskussionen um das autoarme Quartier am Lichtenbergplatz haben das zuletzt wieder gezeigt. Dann ist die Politik gefragt. Will man die Verkehrswende voranbringen, braucht es klare Worte und entschlossenes Handeln. Nur so lässt sich am Status quo etwas ändern.

Bildergalerie

Radschnellweg1

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Copyright: Werner Weigand

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